Mask

Mask – Eine typografische Reaktion
Jedes einschneidende gesellschaftliche Momentum schafft Raum, bietet die Chance für Neues, drängt nach Veränderung. Dies ist neben den ganzen Einschränkungen der positive Aspekt, der uns in der Krise optimistisch bleiben lässt. Stillstand schafft ein Vakuum, welches neue Energien erzeugt.
Der allgegenwärtige Aufruf zum Social Distancing ist Ausgangspunkt dieser Arbeit. Das für unseren Kulturkreis neue und darin befremdliche Abstandsgebot erforderte eine beschleunigte Ausbreitung von Homeoffice und Videoschalten und wurde so zu einem ungeahnten Katalysator für unsere sonst so schleppende Digitalisierungsbemühungen.
Auf der Suche nach einem Sinnbild für Regulierung der menschlichen Kontakte, entwickelten wir unsere typografische Reaktion. Sie ist das Ergebnisse eines Experiments mit dem Unsichtbaren. Dem Abstand, der sich mit einer Zollstocklänge bemessen lässt, sich aber auch in einer Schutzmaske manifestiert.

Schrift wurde zum Sinnbild. Sie ist ein sehr streng geregeltes Zeichensystem, in dem einzelne Buchstaben Abstand halten und sich aufeinander verlassen müssen. Sie funktionieren nur im Zusammenspiel miteinander. Ausreißer kann die Buchstabenfamilie nicht vertragen sonst wird ihr Werk unlesbar. Wie viel Eingriff verträgt das System?

Da Buchstaben ihren optimalen Abstand in Form ihrer Dickte (Breite des Schriftkegels) bereits durch den Schriftenschneider gefunden haben, bewirkt eine Veränderung im Buchstabenabstand keine erkennbare Neuerung. Darum haben wir uns mit der Gestalt der einzelnen Zeichen beschäftigt und deren Maskierung geprüft. Der Konzeptentwurf »Mask« lotet Grenze zwischen Individualisierung, Identifizierung, Neuinterpretation aus. Dabei ist der Eingriff in das bestehende Schriftbild hart und für alle gleich. Es entsteht eine vorübergehende »Neue Normalität«. Welche Bedeutung und Tragweite das Neue bekommen wird, können wir erst zu einem späteren Zeitpunkt bemessen.